Ehemalige wewole-Mitarbeiterin Nur Yüksel ist eine Expertin im Verstehen

Die 29-Jährige unterschrieb einen festen Arbeitsvertrag bei dem zur Lebenshilfe Bochum gehörenden „Büro für Leichte Sprache Ruhrgebiet“

Im Januar 2017 hat Nur Yüksel einen Meilenstein erreicht: Die 29-Jährige unterschrieb einen festen Arbeitsvertrag bei dem zur Lebenshilfe Bochum gehörenden „Büro für Leichte Sprache Ruhrgebiet“. In ihrer kleinen Dienststelle auf der Anlage der Bochumer Villa Claudius-Höfe prüft die gebürtige Hernerin, ob Texte, die von der schweren in die „Leichte Sprache“ übersetzt wurden, wirklich gut verständlich sind. Sie tut dies in einem Team, bestehend aus zwei weiteren Menschen mit Lernschwierigkeiten, die aus anderen Werkstätten des Ruhrgebiets kommen, den Übersetzern selbst und einer Assistentin, die das Team beim Prüfen der Texte unterstützt. Eine der letzten Aufgaben liegt gerade fertig auf dem Schreibtisch. Ein Prospekt der Lebenshilfe Kleve hat frisch das Siegel für „Leichte Sprache“ erhalten. „Ich erledige auch ganz normale Büroarbeiten oder nehme an Schulungen teil. Wenn aber Texte zu prüfen sind, wird dies natürlich als erstes gemacht“, beschreibt Nur Yüksel ihren Arbeitsalltag als „Expertin im Verstehen“.

„Ich bin ein Mensch, der sich schnell einlebt.“
Als integrativ tätiges Unternehmen besaß das „Büro für Leichte Sprache Ruhrgebiet“ von Anfang das Konzept, Menschen mit Lernschwierigkeiten einzustellen. Zusammen mit dem Integrationsfachdienst knüpfte man Kontakt zur wewole STIFTUNG und dem Projekt „Werkstatt.Draussen“, um Verstärkung für das Büro zu gewinnen. Und das gelang: „Die wewole STIFTUNG hat damals die Entscheidung mir überlassen, ob ich die Stelle annehmen will oder nicht. Ich dachte mir, dass es für mich halt entweder schief oder gut ausgehen wird. Und dann habe ich mich einfach getraut“, erzählt Nur Yüksel über ihren Mut, den Schritt nach draußen zu wagen. Sprachkompetenz wurde ihr buchstäblich in die Wiege gelegt. Die junge Frau mit türkischen Wurzeln wuchs zweisprachig auf und agierte schon von Kindesbeinen quasi als „Übersetzerin“. In den Werkstätten für Behinderte Herne/Castrop-Rauxel, heute wewole STIFTUNG, war Nur zehn Jahre unter anderem in der Telefonzentrale beschäftigt. Nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch im „Büro für leichte Sprache“ startete sie in ein Praktikum, bei dem sie von der Stiftung und dem Integrationsbüro begleitet wurde. Nur Yüksel: „Am Anfang war ich wirklich nervös. Aber ich bin ein Mensch, der sich schnell einlebt, und alle waren wirklich nett zu mir.“ Seit Februar 2017 gehört sie mit einem festen Arbeitsplatz zur Belegschaft.

Einfach mal mutig sein
An die Zeit bei wewole denkt sie gerne zurück. „Ich mochte die Arbeit in den Werkstätten, aber ich habe mir immer gewünscht, draußen etwas zu finden. Im Büro sehe ich, was ich erreicht habe, und kann Menschen mit meiner Arbeit helfen. Ich wünsche mir auch in Zukunft, dass wir gemeinsam viel schaffen, sodass unsere Arbeit nützlich für alle ist.“ Für Firmen, die Menschen mit Handicap einstellen wollen, gibt es von Nur Yüksel und ihren Kollegen direkt einen Tipp: „Wir wünschen uns einfach etwas Zeit bei der Einarbeitung und dass die Menschen langsamer sprechen. Vor allem aber wünschen wir uns, dass die Leute uns so akzeptieren, wie wir sind.“ Einen Ratschlag für die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus der Werkstatt hat sie auch: „Ich möchte ihnen sagen, dass sie einfach mutig sein sollen. Viele Leute aus der Werkstatt trauen sich noch nicht, den großen Schritt zu machen, weil sie Angst haben, es nicht zu schaffen. Sie sollten sich das aber trauen. Ich habe es getan und fühle mich sehr wohl dabei.“

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